Fachvortrag

Partizipative KI-Einführung im Produktdatenmanagement

Mitarbeitende als aktive Gestalter der KI-Transformation
Eine Fallstudie aus der BMW Group: ein vollständiger Action-Research-Zyklus, Top-down- und Bottom-up-Maßnahmen — und was Befragungs-, Nutzungs- und Beobachtungsdaten zeigen.
Michael Koch · Mark Schenkl — BMW Group

Erschienen am 2. Oktober 2026 in HMD Praxis der Wirtschaftsinformatik (Springer) · doi.org/10.1365/s40702-026-01339-z
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Agenda

1 · Warum Partizipation?

Warum die meisten KI-Einführungen scheitern: Blockaden bei Mitarbeitenden und Management — und der theoretische Rahmen.

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2 · Die Maßnahmen

Die Fallstudie: Führung als Enabler, Qualifizierung in vier Stufen, Lernformate nah am Arbeitsalltag, Vibe Coding.

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3 · Ergebnisse & Empfehlungen

Was die Daten zeigen, welche Bedingungen wir ergänzen — und konkrete Handlungsempfehlungen für die Praxis.

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01

Warum Partizipation?

Technik allein trägt die KI-Transformation nicht — entscheidend ist das Zusammenspiel von Menschen, Führung und Organisation.

Ausgangslage

Viele Unternehmen scheitern an der KI-Einführung

Unsere Fallstudie: das Produktdatenmanagement der BMW Group — ca. 350 Mitarbeitende, heterogene Aufgaben, zahlreiche IT-Systeme.

Produktdatenmanagement (PDM) = strukturierte Erfassung, Verwaltung und Bereitstellung aller Daten der Produktentwicklung, z. B. CAD-Modelle und Stücklisten. Ziel der Studie: eine von den Mitarbeitenden getragene KI-Einführung.

Herausforderungen · Warum Mitarbeitende (nicht) mitmachen — klicke eine Blockade

▸ Fünf Blockaden, die Partizipation verhindern — belegt aus der aktuellen Literatur. Klicke eine Kachel.

Theoretischer Rahmen

Fünf Bedingungen effektiver Partizipation (Mehmood & Farshchian 2023)

Fünf Bedingungen effektiver Mitarbeiterpartizipation nach Mehmood und Farshchian (2023)
Nr.BedingungKurzbeschreibung
B1Transparente & vertrauenswürdige StrategieentwicklungMitarbeitende kennen und verstehen den strategischen Rahmen der Transformation — und vertrauen ihm.
B2Kommunikation & ZusammenarbeitFunktionierende Kommunikationskanäle und Zusammenarbeit über Hierarchieebenen hinweg.
B3Anreize für PartizipationDie Organisation setzt konkrete Anreize, damit Mitarbeitende sich aktiv beteiligen.
B4Vermittlung von Wissen & FähigkeitenQualifizierung und Wissensangebote befähigen zur Partizipation.
B5Balance: Steuerung & AutonomieTop-down-Rahmensetzung und Freiraum der Mitarbeitenden sind ausbalanciert.

Formuliert für digitale Transformation im Allgemeinen — ob sie für generative KI tragen, war bislang unerforscht.

Forschungsfragen & Methode

Action Research: Forschen durch Gestalten

  • F1: Lassen sich die fünf Bedingungen von Mehmood & Farshchian erfolgreich auf die KI-Einführung übertragen?
  • F2: Welche zusätzlichen Bedingungen und Gestaltungsmaßnahmen braucht es, damit generative KI mitgetragen, eigenständig und verantwortungsvoll genutzt und weiterentwickelt wird?
  • Design: vollständiger Action-Research-Zyklus nach Lewin (1946); die Autoren sind zugleich Gestalter und Beobachter.
  • Datenquellen: anonyme Wirksamkeitsanalyse (175 von ca. 350), automatisch protokollierte, anonymisierte Nutzungsdaten eines KI-Coding-Assistenten (Beobachtungsphase), Gespräche mit allen Abteilungs- und ausgewählten Gruppenleitern sowie mit Vibe-Coding-Anwendern.
Planung Handlung Beobachtung Reflexion Action-Research -Zyklus (Lewin 1946)
Der Doppelrolle (Gestalter + Beobachter) begegnen anonyme Befragung, automatisch protokollierte, anonymisierte Nutzungsdaten sowie Reflexion durch die Autoren und den Führungskreis.
02

Die Maßnahmen

Top-down-Rahmen + Bottom-up-Befähigung — bewusst kombiniert.

Fallstudie · Maßnahme 1

Führung als Enabler — über alle Ebenen

Beobachtung aus der Fallstudie: Die Beteiligung war dort am höchsten, wo Abteilungsleiter selbst intensiv mit KI-Tools arbeiteten und regelmäßig darüber berichteten.

Transparenz: Trainings und individuelle KI-Nutzung sind freiwillig. „5 Use Cases je Abteilung“ ist ein organisatorisches Erkundungsziel — kein persönliches Leistungsziel; die KI-Ansprechpartner sind KI-erfahrene, hilfsbereite Kolleginnen und Kollegen.

Fallstudie · Maßnahme 2

Befähigung: ein vierstufiges Qualifizierungsmodell

Reine Wissensvermittlung reicht nicht — drei psychologische Grundbedürfnisse müssen erfüllt sein: Kompetenz erleben, Verbundenheit, Autonomie (Hermann et al. 2026).

1 · Kennen

Funktionsweise, Einsatzmöglichkeiten & Grenzen von KI, sicheres Prompting.
70 % ordneten sich zu Beginn hier ein.

2 · Können

Relevante Plattformen & Tools, eigene Anwendungsfälle erkennen und einsteuern. 11 % — mit Stufe 1 die Basisbefähigung für alle.

3 · Beherrschen

Eigene Use Cases umsetzen, Potenziale & Aufwände bewerten, Daten aufbereiten. 14 %.

4 · Experte

KI-Systeme & -Agenten von Konzeption bis Integration entwickeln, Verantwortung übernehmen. 5 %.

Prozentwerte: Selbsteinschätzung der KI-interessierten Mitarbeitenden in der Bedarfsumfrage der Planungsphase — nicht aller ~350 Beschäftigten des Bereichs.

Bisher ~135 von 350 Mitarbeitenden freiwillig geschult — von internen KI-Experten mit Beispielen aus dem echten Arbeitsalltag, flankiert von einem Experten-Netzwerk.

Fallstudie · Maßnahme 3

Lernformate nah am Arbeitsalltag

freaKI frAIday

Ganztägiges Präsenzformat alle ~2 Monate: externe Impulse, Live-Coding, Breakout-Sessions, offener KI-Help-Desk, Kurzvorträge der Abteilungsleiter. Durchgängig ausgebucht — inzwischen Anfragen aus anderen Bereichen.

AI@Work

Eine Stunde pro Quartal, online: Mitarbeitende zeigen in 5–10-Minuten-Vorträgen, wie sie z. B. repetitive Aufgaben KI-gestützt automatisiert haben. Erreicht je Session ~30 % des Bereichs.

Der Leitgedanke: KI-Impulse nah an den konkreten Arbeitsaufgaben verankern — Live-Erlebnisse durchbrechen das Imagination Ceiling, Regelmäßigkeit wirkt der Überforderung entgegen.

Fallstudie · Maßnahme 4

Teambuilding mit KI: „Wer ist es?“ — die KI-Team-Challenge

Fallstudie · Maßnahme 5 · Vibe Coding: Autonomie für den Fachbereich — klicke ein Thema

▸ Fachkräfte ohne Informatikausbildung entwickeln Software im Dialog mit einem KI-Agenten — Prinzip, Einstieg, Grenzen, Governance und Ergebnis im Detail.

03

Ergebnisse &
Empfehlungen

Evaluation entlang der fünf Bedingungen — einschließlich der offenen Defizite.

Datenbasis: Erhebungen von Anfang 2026 — Wirksamkeitsanalyse (04/2026) und Tool-Nutzungsdaten der Beobachtungsphase.

Evaluation · Wirksamkeitsanalyse 04/2026 — 175 Teilnehmende (freiwillig, anonym); die Anzahl der Antwortenden variiert je Frage

Die fünf Bedingungen im Realitätstest

58 %

B1 Strategie: fühlen sich ausreichend informiert — und 70 % verstehen, warum KI für ihre Aufgabe wichtig ist. Übertragbar, aber beim KI-Tempo eine Daueraufgabe.

62 %

B2 Kommunikation: kennen ihre KI-Ansprechpartner. Die Kommunikationsinfrastruktur ist etabliert und bekannt.

57 %

B3 Anreize: finden (noch) keinen Use Case im eigenen Bereich — trotz 67 % Schulungsteilnahme und 58 % aktiver Nutzung. Vom Lernen zum Anwenden bleibt die Hürde: Imagination Ceiling.

38 %

B4 Wissen: fanden die Trainings praxisnah; nur 49 % kennen ihren Kompetenzbedarf. KI-Lernen wird kontinuierlich & „on the job“ — statische Schulungen veralten.

Zeit

B5 Balance: Zeitmangel wird von fast allen Mitarbeitenden als Hindernis genannt. Das Tagesgeschäft verhindert nicht den Einstieg, hemmt aber die Vertiefung.

Antwort auf F1: Alle fünf Bedingungen sind übertragbar — drei davon (Anreize, Wissen, Balance) brauchen KI-spezifische Erweiterungen.

Evaluation · Nutzungsdaten als Validierung

Wer den Einstieg findet, nutzt KI auf hohem Niveau

~350Mitarbeitende im Bereich (keine IT-Abteilung)
→
24 %nutzen den KI-Coding-Assistenten aktiv
→
17.400Interaktionen, davon >17.100 im Agent Mode
→
30+Tools aus dem Fachbereich, teils an die IT übergeben

Wer den Einstieg findet, nutzt KI intensiv und entwickelt konkrete Werkzeuge — die betrieblichen Effekte wurden nicht kausal gemessen.

Datenschutz: Die Nutzungsdaten wurden ausschließlich anonymisiert und aggregiert ausgewertet; es erfolgte keine personenbezogene Leistungs- oder Verhaltenskontrolle.

Antwort auf F2 · Beitrag zur Forschung

Fünf KI-spezifische Zusatzbedingungen

Generative KI verschiebt den Partizipationsspielraum: Beschäftigte erleben KI nicht nur — sie gestalten per Vibe Coding eigenständig Lösungen (vgl. partizipative Vorgehensmodelle wie Ruess et al. 2024).

Antwort auf F2 · Beitrag für die Praxis

Vier Handlungsempfehlungen

Alle Empfehlungen sind an die jeweilige Unternehmenssituation anzupassen.

Limitationen & Ausblick

Grenzen der Studie — und der nächste Zyklus

Limitationen

  • Einzelfallstudie in einem Bereich mit bereits etablierten internen KI-Experten und Zugriff auf die zentrale IT — Generalisierbarkeit begrenzt, Übertragbarkeit auf externe Trainer ungeklärt.
  • Freiwillige Teilnahme → mögliche Verzerrung durch technikaffine Selbstselektion; keine Vergleichsgruppe; Doppelrolle der Autoren als Gestalter und Beobachter.
  • Rückenwind durch BMW-Offenheitskultur und hohe mediale KI-Aufmerksamkeit; manche Mitarbeitende experimentierten aus eigenem Antrieb auch in der Freizeit.
  • Nachhaltigkeit der Effekte und das Schritthalten mit dem KI-Tempo sind noch zu zeigen.

Nächster Action-Research-Zyklus

  • KI-Kompetenz der Führungskräfte als Zielvorgabe statt Freiwilligkeit — bei Mitarbeitenden bleibt es freiwillig, mit intensiver Sinnstiftung.
  • Trainings noch aufgabenspezifischer; neue Wissensträger aus den Gruppen werden On-the-job-Trainer.
  • Schwerpunkt Use-Case-Findung: vom „Ich verstehe KI“ zum „Ich nutze KI für meine Aufgabe“.
Fazit
Partizipation ist kein Selbstzweck — sie ist der Unterschied zwischen KI-Pilotprojekten und KI im Tagesgeschäft.
Michael Koch · Mark Schenkl — BMW Group · „Partizipative KI-Einführung im Produktdatenmanagement“ · Fragen? mark.schenkl@bmw.de
Anhang · Quellen (Auswahl — vollständiges Literaturverzeichnis im Artikel)

Literatur

Dieser Beitrag

Koch M, Schenkl M (2026) Partizipative KI-Einführung im Produktdatenmanagement — Mitarbeitende als aktive Gestalter der KI-Transformation. HMD Praxis der Wirtschaftsinformatik, Online-First, 2. Oktober 2026. https://doi.org/10.1365/s40702-026-01339-z

Volltext frei zugänglich (SharedIt): https://rdcu.be/k5rteoyv753a

Autorenfassung: Accepted Manuscript als PDF — die nach der Begutachtung angenommene Fassung, vor Satz und Korrektorat des Verlags. Maßgeblich ist die Verlagsfassung unter dem oben genannten DOI.

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